Stellt euch vor, ihr steht an der Supermarktkasse, euren Autoschlüssel in der Hand. Schnell noch ein paar Einkäufe machen, so zwischendurch, bevor sich das tägliche Rad turbulent weiterdreht. Doch kurz rastet dieses in der Bremse ein. Vor euch steht ein Knirps, bereits total fixiert auf euren Autoschlüssel, nahezu hypnotisiert, blickt euch dann mit großen erwartungsvollen Augen an und möchte wissen, was ihr denn da fahrt. Welches Geschoss dieser Schlüssel in eurer Hand bedient. Und je nachdem, heben sich die Mundwinkel an oder eine grimmige Schnute präsentiert sich euch.
.. Karim‘s Mama gestikuliert lebhaft und liebevollst über diese Erinnerungen, als sie für kurze Zeit auf der Bildfläche auftaucht, und unser Gespräch mitbekommt.
Es ist ein lauer Spätsommerabend und die Sonne steht bereits etwas tiefer. Ich beobachte Karims kleinen Sohn, wie er von einem Auto zum nächsten springt, kurz innehält, um zu einem vorüberfliegenden Flugzeug zu lautieren, bevor er seine Tour über die Fahrersitze fortführt. „Der Kleine ist ganz genauso! Das ist Karim nochmal in klein!“, strahlt sie und Karim bestätigt breit grinsend und voller Stolz.
Drei unglaublich schöne Wagen stehen vor uns, während wir in zwei Campingstühlen sitzen, die Blicke schweifen lassen, nach innen, in Erinnerungen nach etwas greifend, was dies hier rechtfertigen könnte.. Ich sehe diesen Knirps vor mir. Erst noch an der Supermarktkasse, dann mit Rucksack am Schulzaun, einem blauen Camaro hinterherrennend, noch irgendwie den letzten Abgasduft einschnüffelnd, bevor auch der letzte Schatten dieser amerikanischen Zeitkapsel gänzlich verschwindet. Karim‘s Augen glänzen unentwegt und seine Stimme ist so munter, aber auch ehrfürchtig und sein Blick tastet immer wieder im Hier und Jetzt über diese drei Wagen vor uns. Ach könntet ihr es sehen. Ihr würdet genauso diesen kleinen Jungen erkennen, der gerade wahrhaftig vor seinem Traum sitzt und das auch in jeder Sekunde an sich ranholt und so sehr zu schätzen weiß. Doch er hätte es nie geglaubt. Nie. Er war der kleine Junge, der von Tag 0 an absolut Auto-Verschossen war.
Es ist die Geschichte von einem Jungen, der mit glänzenden Augen Autoschlüssel anstarrte, am Zaun den Brummern hinterherrannte – und der heute, nach unzähligen Kämpfen mit Rost, Werkzeug und Nerven, zwei Autos hat, die ihn definieren: einen Dart, der ihn zum Schrauber und zum Kämpfer machte, und einen Satellite, der ihm Ruhe und Familie schenkt. Zwei Autos, die gemeinsam das Auto ergeben, welches er immer haben wollte, welches er kompromisslos mit diesen beiden Charakteren genießen kann. Doch dazu muss ich ausholen…
Ich lernte Karim vor über fünf Jahren kennen. Seine Leidenschaft für Polituren und seine absolute Abneigung gegen Wasserflecken auf Autolack kennzeichnete ihn für mich recht schnell. Dazu beherberge ich unglaublich viele Szenerien in meiner Erinnerung, die noch immer bildlich-lebhaft vor dem inneren Auge herumspringen und selbst jetzt, da er Papa ist und manches vielleiiiiicht ein bisschen lockerer sieht, noch immer ihr ganz besonderes Gewicht besitzen. Als Actionfigur wäre er der Typi mit dem Mikrofasertuch in der Hand – schneller wieder trocknen, als es regnen kann. HA!
Das prägte die ersten Bilder, die ersten Eindrücke. Mit einer Ruhe und Sorgfalt flitzte die Politurmaschine über Kundenwagen und Karim schwärmte wie zufriedenstellend und meditativ das sich alles für ihn anfühlt. Auf Treffen war und ist er noch immer der, der sich unglaublich auf bestimmte Events freut und entspannt durch die Reihen schlendert, gemeinsam mit seiner wundervollen Frau Fine und seit kurzem nun auch mit seinem unglaublich zuckersüßen Sohn. Ich beobachte und betrachte diese kleine Familie wirklich sehr gern. Denn strahlen sie auch bereits, ohne dass man sie weiter kennt, etwas aus, was einen selber wieder erdet.
Hier nun in diesem Campingstuhl sitzend, merke ich, wie viel Ruhe sich in mir ausbreitet und dass ich das Lauschen seiner Worte gerade empfinde wie eine Geschichte aus den 70ern, die ich mir in diesem Moment in einem Open Air-Kino ansehe. Die Bilder tanzen und eigentlich verspüre ich just in dem Moment bereits das Gefühl alles sofort postwendend aufschreiben zu wollen und merke, dass ich gleichzeitig die Angst verspüre, es in Worte gar nicht so greifen zu können, wie ich es jetzt gerade fühle und wieviel es mir auch bedeutet. Diese kleine Familie, die auch zu meiner wurde…..

















„Würdest du alles so noch einmal machen?“.. Karim lächelt und holt Luft: „Die Sidequests hätte ich so jetzt nicht gemacht.“, und springt mit seinen Gedanken weiter. Denn in seinen engeren Kreisen sind die, die es anders gemacht haben. Den Fokus auf ein Auto. Dort alles an Geld und Zeit hineingesteckt. „…. aber ich habe ja so die Krankheit, ich kann mich nicht auf ein Auto festlegen.“ und auf einmal schwenkt das Thema und wir blicken auf ‚Gelb‘ und ‚Grün‘.
Karim beherbergt und liebt seit November 2016 seinen Satellite. Er ist das Familien-Tier. Sicher, komfortabel, bequem – die treue Seele. Unglaublich gehegt und gepflegt. Für mich, als zwar liebende Autobesitzerin, aber nachlässige Putzerin, war immer nicht nachvollziehbar, wieviele Nerven und wieviel Zeit für Putzen draufgehen kann. Aber doch – der Lappen zuckte immer wieder auf. Als hätte er ihn hinter dem Rücken versteckt, war er auf einmal da. Der Satellite, sein Schatz, sein Stolz, aber auch, wie ich finde seine Sicherheit. Die beiden gehören einfach zusammen. Anfangs dachte ich noch immer: Dieser Wagen, das ist Karim. Aber nein. Dann kam im November 2021 der Dart hinzu. Als er das erste mal in unserer Werkstatt vorfuhr, war mein erster Impuls „Huch“. Ja. Nicht mehr und nicht weniger. Gelb wie die Post, wie ein ADAC-Hilfsfahrzeug, stach er förmlich in den Augen – nein, nicht in die Augen. In den Augen.
Wir, seine wundervollen Freunde :-P, machten uns sogar lustig über diesen Autowagen und wollten ihm Streifen verpassen. Sahen Biene Maja’s besten Freund Willi und Zack, hatte der gelbe Brummer seinen Namen weg: Schweinepriester Willi.
Dart war nicht nett..
.. zu Beginn, mit und zu Karim. Was sich als kleine Spaßmaschine behaupten sollte und „da wird auch nichts groß verändert, der bleibt rustikal“, wurde zur kleinen Zerreißprobe, die sich jetzt, knapp vier Jahre später erst so mausert, nachdem die beiden sich erst einmal die Köpfe eingeschlagen haben und aneinander gerieben.
Der StanDart ist eine sehr rustikale Maschine. Wir sprechen hier von keiner wunderschönen Augenweide. Wir reden hier von einem Charakter. Er ist das absolute Gegenteil von Karim’s Satellite. Dort fehlt halt eigentlich so ziemlich die komplette komfortable Inneneinrichtung und so für einen Wochenend-Roadtrip gibt es zig andere Möglichkeiten, mit denen man sicher von A nach B kommen würde. Doch der Dart ist mit dem Satellite das Verbindungsstück zur Vollkommenheit. Denn auf einmal erlebt man Karim in einem Zustand der Entspannung, den er selber, zugegebenermaßen, auch für sich braucht.
Dieser kleine Knirps, dieser Auto-Junkie..
.. wusste schon wie und hatte seinen Plan. Ein orangefarbener 1968er Ford Torino war seine „Hure“ (nein, das hat er so nicht gesagt!), die ihm seinen Traum ein Stück näher bringen sollte. Kaufen, aufbauen, verkaufen – tschüss und hallo, quasi. Aber dieser Wagen war kein Auto, das man einfach aufschließt und fährt. Es war ein ’68er Ford Torino ohne Motor, ohne Getriebe, mehr Hoffnung als Substanz. Trotzdem zog ihn genau das an. Er wollte nicht irgendetwas Fertiges kaufen, sondern verstehen, wie so ein Ami-Auto überhaupt funktioniert.
Die ersten Monate waren reiner Überlebenskampf: kein Strom in der Garage, also alles mit Akku-Werkzeugen. Wenn’s regnete, wurde der Wagen rausgeschoben, am nächsten Tag wieder auf die Auffahrrampen geschoben. Stundenlanges Schrauben, improvisierte Werkzeuge, viel Frust. Trotzdem blieb er dran.
Er lernte Menschen kennen, die ihn bis heute begleiten: Basti war der Erste, mit dem er an dem Torino schraubte. Aus diesen Abenden in der engen Garage wuchs eine kleine Gemeinschaft – sie legten zusammen, nahmen sich später eine Halle, schraubten bis tief in die Nacht. Durch den Torino traf er schließlich auch all die anderen Chaoten, die mittlerweile schon fast unser beider Wege einen. Ohne dieses Auto gäbe es diese Freundschaften wahrscheinlich gar nicht.
Der Torino war alles andere als dankbar: Rost, endlose Fehlersuche, keine Teile, kein Plan, kein Geld. Trotzdem wuchs mit jedem Rückschlag sein Können. Er lernte, wie man Motoren ausbaut, Karosserie flickt, improvisiert. Der Wagen brachte ihn mehrfach an den Rand der Aufgabe – und genau das war der Punkt: er hat ihn nicht aufgegeben.
Als der Wagen endlich TÜV hatte, war er erschöpft, aber auch stolz. Es hatte dreieinhalb Jahre gedauert. Im Rückblick sagt er, der Torino sei gar nicht wegen seiner Optik oder Leistung wichtig gewesen, sondern weil er ihn und seine Freunde „überhaupt erst zusammengebracht“ hat.
Am Ende ließ er Basti mit dem Auto fahren, einfach so – als Dank. Und als der Torino später wegging, war das kein Verlust, sondern fast so etwas wie ein Abschluss: Das Kapitel „Anfänger“ war beendet. Er hatte an dem Auto gelernt, was Schrauben wirklich bedeutet – Geduld, Improvisation, Gemeinschaft, Frust und diese tiefe Zufriedenheit, wenn etwas, das eigentlich aussichtslos war, irgendwann läuft.
Und dann kam „Der Ungeplante“..
Der Satellite war das Gegenteil. Kein Rost, kein Chaos, keine Flexnächte auf dem Parkplatz. Sondern einfach ein Moment – und eine Begegnung, die alles veränderte.
Eigentlich war er gar nicht wegen dieses Wagens unterwegs. Ein Pick-up sollte angesehen werden, nichts weiter. Der Verkäufer meinte beiläufig: „Setz dich doch mal in den da und fahr eine Runde.“
Und dann war’s passiert.
Kaum saß Karim hinter dem Lenkrad des grünen Satellites, spürte er, dass irgendetwas >Klick< machte. Es war nicht der übliche Schrauberblick, der prüft, was alles zu tun ist. Es war ein stilles, tiefes Gefühl von richtig. Fine, die dabei war, sah es sofort – dieses Aufleuchten in seinen Augen – und verliebte sich gleichermaßen.
Der Wagen war, wie er war: original, unverbastelt, ehrlich. Kein Restaurationsprojekt, sondern ein Stück Geschichte, das einfach überlebt hatte. Karim sagt heute, er habe am Satellite „nichts gemacht“ – und genau das ist das Besondere. Der Wagen durfte so bleiben.
Er kam 2016 zu ihm – und blieb. Nicht, weil er perfekt war, sondern weil er vollständig war. Der Satellite wurde für Karim das Gegengewicht. Während der Dart und frühere Autos ihn forderten, war der Satellite der Ruhepol.
Er ist das Auto, in dem er mit seiner Familie fährt, in dem das Kind lacht und er sich entspannen kann. Keine öligen Hände, keine To-do-Liste – nur der Klang des Motors, der Geruch des alten Interieurs und dieses Gefühl von Ankommen.
Manchmal steht der Satellite einfach in der Sonne, grün und gelassen, wie jemand, der nichts mehr beweisen muss.
Und Karim weiß: Er hat schon viele Autos gehabt, viele geliebt, viele wieder gehen lassen – aber der Satellite war der erste, der ihn einfach so genommen hat, wie er ist.
ch halte immer wieder inne. Nicht, weil es zu viel ist. Ich freue mich eigentlich die ganze Zeit so still für mich und merke, dass ich mich mittlerweile unglaublich doll zu diesem Dart hingezogen fühle. Ja, mittlerweile springt das Herz ziemlich hoch, wenn er vor der Werkstatt vorfährt oder jetzt hier, an diesem herrlichen Abend, nach einem total verrückten Tag. Fernab des trubeligen und wuseligen Berlins. Ich merke, wie Karim selber noch einmal in all dem versinkt und dass all diese Worte mich den Satellite anders anblicken lassen, aber auch den Dart, dem ich wirklich so unglaublich dankbar bin. Manche mögen Karim als unvernünftig bezeichnen, solch „eine Bude gekauft zu haben“ und mittlerweile schon weitaus mehr Geld reingesteckt zu haben, als er sicherlich ursprünglich wollte und sicherlich gesellen sich noch weitere hinzu, die kopfschüttelnd meinen, dass das keine sehr vernünftige Geschichte ist.
Für mich ist der einzige infantile (aber doch auch total romantische) Teil dieser mittlerweile absoluten Tatsache, dass es wie ein kleines Märchen ist, was einfach wahr geworden ist. Dieser kleine Junge muss keinem Auto mehr hinterherrennen und dennoch sehe ich diesen Zauber noch immer in seinen Augen, wenn er Kundenwagen bewegt. Wie er über einzelne Autowagen redet, wie er sie umsorgt und wirklich sieht. Er schlendert nicht nur über die Treffen, er wertschätzt sie und genießt sie. Egal wie oft er sie besucht. .. und der Dart. Dart musste sein 😉 Denn er komplettiert, gemeinsam mit dem Satellite, Karims Traum, doch genauso sein gesamtes Wesen. Beide Wagen zusammen sind dieser eine Wagen, den es braucht, aber für einen so besonderen Menschen und Charakter, wie Karim es ist, erfüllt nicht ein einziger Wagen genau das. Denn so vielschichtig, wie er es ist, sind es auch beide Brummer. Und ich denke, dass man von außen betrachtet viele Töne spucken kann, was wie besser, einfacher und billiger gewesen wäre und ist. Doch am Ende, ist auch der vermeintliche Verlust der größte Zugewinn, wie bereits mit dem Torino bewiesen wurde. Denn auch ohne diesen, wären beide Wagen wohl jetzt nicht hier vor uns.
Karim, was soll ich sagen.. Mittlerweile sitze ich grinsend, mit bisschen bewässerten Augen vor meiner Schreibkiste. Nicht einmal mehr daheim in der Werkstatt. Und doch weiß ich, dass ich irgendwie immer dort sitze, egal wo ich bin. Gemeinsam mit euch Lieblings-Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch in punkto Autowagen 😉
Du supportest uns immer – uns alle, wie wir nun um dich herum gereiht mit dir auch unsere „Auto-Wege“ beschreiten. Du bist der, der immer da ist. Und so ruhig und ausgeglichen du bist, so temperamentvoll lässt du aber auch ehrlich die „Berliner Schnauze“ raus, wenn es ums Heiligtum geht. Du bist phänomenal.
Also sagen wir mal so: Wenn es da draußen immer noch Menschen gibt, die behaupten, dass das NUR AUTOS sind, dann sind sie näher an Prestige, als am Lebensgefühl, was diese wundervollen „Metallgeschosse“ mit sich bringen und uns schenken, wenn wir uns darauf einlassen.
Wie sehr sie einen und uns lehren, habe ich durch dich erfahren dürfen und ist eine so wundervolle und liebevolle Bestätigung.
Außerdem bist du auf keinen Fall ausschließlich der Superheld mit dem Reinigungs- oder Polierwerkzeug in der Hand – du weißt ja wie ich es meine – sondern du hast ein Auge, das wirklich so einzigartig und ganzheitlich die Welt der Brummer betrachtet. Dich kann man in keine Schublade hineinstecken. Nicht einmal in die Mopar-Schublade hihi
DANKE!

















wow, ich habe jedes Wort gefühlt und obwohl ich Karim noch nie getroffen habe, glaube ich ihn seit heute zu kennen. Toll geschrieben!
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