Dart ist Liebe.

Stellt euch vor, ihr steht an der Supermarktkasse, euren Autoschlüssel in der Hand. Schnell noch ein paar Einkäufe machen, so zwischendurch, bevor sich das tägliche Rad turbulent weiterdreht. Doch kurz rastet dieses in der Bremse ein. Vor euch steht ein Knirps, bereits total fixiert auf euren Autoschlüssel, nahezu hypnotisiert, blickt euch dann mit großen erwartungsvollen Augen an und möchte wissen, was ihr denn da fahrt. Welches Geschoss dieser Schlüssel in eurer Hand bedient. Und je nachdem, heben sich die Mundwinkel an oder eine grimmige Schnute präsentiert sich euch. 

.. Karim‘s Mama gestikuliert lebhaft und liebevollst über diese Erinnerungen, als sie für kurze Zeit auf der Bildfläche auftaucht, und unser Gespräch mitbekommt. 

Es ist ein lauer Spätsommerabend und die Sonne steht bereits etwas tiefer. Ich beobachte Karims kleinen Sohn, wie er von einem Auto zum nächsten springt, kurz innehält, um zu einem vorüberfliegenden Flugzeug zu lautieren, bevor er seine Tour über die Fahrersitze fortführt. „Der Kleine ist ganz genauso! Das ist Karim nochmal in klein!“, strahlt sie und Karim bestätigt breit grinsend und voller Stolz.

Drei unglaublich schöne Wagen stehen vor uns, während wir in zwei Campingstühlen sitzen, die Blicke schweifen lassen, nach innen, in Erinnerungen nach etwas greifend, was dies hier rechtfertigen könnte.. Ich sehe diesen Knirps vor mir. Erst noch an der Supermarktkasse, dann mit Rucksack am Schulzaun, einem blauen Camaro hinterherrennend, noch irgendwie den letzten Abgasduft einschnüffelnd, bevor auch der letzte Schatten dieser amerikanischen Zeitkapsel gänzlich verschwindet. Karim‘s Augen glänzen unentwegt und seine Stimme ist so munter, aber auch ehrfürchtig und sein Blick tastet immer wieder im Hier und Jetzt über diese drei Wagen vor uns. Ach könntet ihr es sehen. Ihr würdet genauso diesen kleinen Jungen erkennen, der gerade wahrhaftig vor seinem Traum sitzt und das auch in jeder Sekunde an sich ranholt und so sehr zu schätzen weiß. Doch er hätte es nie geglaubt. Nie. Er war der kleine Junge, der von Tag 0 an absolut Auto-Verschossen war.

Es ist die Geschichte von einem Jungen, der mit glänzenden Augen Autoschlüssel anstarrte, am Zaun den Brummern hinterherrannte – und der heute, nach unzähligen Kämpfen mit Rost, Werkzeug und Nerven, zwei Autos hat, die ihn definieren: einen Dart, der ihn zum Schrauber und zum Kämpfer machte, und einen Satellite, der ihm Ruhe und Familie schenkt. Zwei Autos, die gemeinsam das Auto ergeben, welches er immer haben wollte, welches er kompromisslos mit diesen beiden Charakteren genießen kann. Doch dazu muss ich ausholen…


Ich lernte Karim vor über fünf Jahren kennen. Seine Leidenschaft für Polituren und seine absolute Abneigung gegen Wasserflecken auf Autolack kennzeichnete ihn für mich recht schnell. Dazu beherberge ich unglaublich viele Szenerien in meiner Erinnerung, die noch immer bildlich-lebhaft vor dem inneren Auge herumspringen und selbst jetzt, da er Papa ist und manches vielleiiiiicht ein bisschen lockerer sieht, noch immer ihr ganz besonderes Gewicht besitzen. Als Actionfigur wäre er der Typi mit dem Mikrofasertuch in der Hand – schneller wieder trocknen, als es regnen kann. HA!

Das prägte die ersten Bilder, die ersten Eindrücke. Mit einer Ruhe und Sorgfalt flitzte die Politurmaschine über Kundenwagen und Karim schwärmte wie zufriedenstellend und meditativ das sich alles für ihn anfühlt. Auf Treffen war und ist er noch immer der, der sich unglaublich auf bestimmte Events freut und entspannt durch die Reihen schlendert, gemeinsam mit seiner wundervollen Frau Fine und seit kurzem nun auch mit seinem unglaublich zuckersüßen Sohn. Ich beobachte und betrachte diese kleine Familie wirklich sehr gern. Denn strahlen sie auch bereits, ohne dass man sie weiter kennt, etwas aus, was einen selber wieder erdet. 

Hier nun in diesem Campingstuhl sitzend, merke ich, wie viel Ruhe sich in mir ausbreitet und dass ich das Lauschen seiner Worte gerade empfinde wie eine Geschichte aus den 70ern, die ich mir in diesem Moment in einem Open Air-Kino ansehe. Die Bilder tanzen und eigentlich verspüre ich just in dem Moment bereits das Gefühl alles sofort postwendend aufschreiben zu wollen und merke, dass ich gleichzeitig die Angst verspüre, es in Worte gar nicht so greifen zu können, wie ich es jetzt gerade fühle und wieviel es mir auch bedeutet. Diese kleine Familie, die auch zu meiner wurde…..



„Würdest du alles so noch einmal machen?“.. Karim lächelt und holt Luft: „Die Sidequests hätte ich so jetzt nicht gemacht.“, und springt mit seinen Gedanken weiter. Denn in seinen engeren Kreisen sind die, die es anders gemacht haben. Den Fokus auf ein Auto. Dort alles an Geld und Zeit hineingesteckt. „…. aber ich habe ja so die Krankheit, ich kann mich nicht auf ein Auto festlegen.“ und auf einmal schwenkt das Thema und wir blicken auf ‚Gelb‘ und ‚Grün‘. 


Karim beherbergt und liebt seit November 2016 seinen Satellite. Er ist das Familien-Tier. Sicher, komfortabel, bequem – die treue Seele. Unglaublich gehegt und gepflegt. Für mich, als zwar liebende Autobesitzerin, aber nachlässige Putzerin, war immer nicht nachvollziehbar, wieviele Nerven und wieviel Zeit für Putzen draufgehen kann. Aber doch – der Lappen zuckte immer wieder auf. Als hätte er ihn hinter dem Rücken versteckt, war er auf einmal da. Der Satellite, sein Schatz, sein Stolz, aber auch, wie ich finde seine Sicherheit. Die beiden gehören einfach zusammen. Anfangs dachte ich noch immer: Dieser Wagen, das ist Karim. Aber nein. Dann kam im November 2021 der Dart hinzu. Als er das erste mal in unserer Werkstatt vorfuhr, war mein erster Impuls „Huch“. Ja. Nicht mehr und nicht weniger. Gelb wie die Post, wie ein ADAC-Hilfsfahrzeug, stach er förmlich in den Augen – nein, nicht in die Augen. In den Augen. 

Wir, seine wundervollen Freunde :-P, machten uns sogar lustig über diesen Autowagen und wollten ihm Streifen verpassen. Sahen Biene Maja’s besten Freund Willi und Zack, hatte der gelbe Brummer seinen Namen weg: Schweinepriester Willi.


Dart war nicht nett..

.. zu Beginn, mit und zu Karim. Was sich als kleine Spaßmaschine behaupten sollte und „da wird auch nichts groß verändert, der bleibt rustikal“, wurde zur kleinen Zerreißprobe, die sich jetzt, knapp vier Jahre später erst so mausert, nachdem die beiden sich erst einmal die Köpfe eingeschlagen haben und aneinander gerieben. 

Der StanDart ist eine sehr rustikale Maschine. Wir sprechen hier von keiner wunderschönen Augenweide. Wir reden hier von einem Charakter. Er ist das absolute Gegenteil von Karim’s Satellite. Dort fehlt halt eigentlich so ziemlich die komplette komfortable Inneneinrichtung und so für einen Wochenend-Roadtrip gibt es zig andere Möglichkeiten, mit denen man sicher von A nach B kommen würde. Doch der Dart ist mit dem Satellite das Verbindungsstück zur Vollkommenheit. Denn auf einmal erlebt man Karim in einem Zustand der Entspannung, den er selber, zugegebenermaßen, auch für sich braucht. 

Dieser kleine Knirps, dieser Auto-Junkie..

.. wusste schon wie und hatte seinen Plan. Ein orangefarbener 1968er Ford Torino war seine „Hure“ (nein, das hat er so nicht gesagt!), die ihm seinen Traum ein Stück näher bringen sollte. Kaufen, aufbauen, verkaufen – tschüss und hallo, quasi. Aber dieser Wagen war kein Auto, das man einfach aufschließt und fährt. Es war ein ’68er Ford Torino ohne Motor, ohne Getriebe, mehr Hoffnung als Substanz. Trotzdem zog ihn genau das an. Er wollte nicht irgendetwas Fertiges kaufen, sondern verstehen, wie so ein Ami-Auto überhaupt funktioniert.

Die ersten Monate waren reiner Überlebenskampf: kein Strom in der Garage, also alles mit Akku-Werkzeugen. Wenn’s regnete, wurde der Wagen rausgeschoben, am nächsten Tag wieder auf die Auffahrrampen geschoben. Stundenlanges Schrauben, improvisierte Werkzeuge, viel Frust. Trotzdem blieb er dran. 

Er lernte Menschen kennen, die ihn bis heute begleiten: Basti war der Erste, mit dem er an dem Torino schraubte. Aus diesen Abenden in der engen Garage wuchs eine kleine Gemeinschaft – sie legten zusammen, nahmen sich später eine Halle, schraubten bis tief in die Nacht. Durch den Torino traf er schließlich auch all die anderen Chaoten, die mittlerweile schon fast unser beider Wege einen. Ohne dieses Auto gäbe es diese Freundschaften wahrscheinlich gar nicht.

Der Torino war alles andere als dankbar: Rost, endlose Fehlersuche, keine Teile, kein Plan, kein Geld. Trotzdem wuchs mit jedem Rückschlag sein Können. Er lernte, wie man Motoren ausbaut, Karosserie flickt, improvisiert. Der Wagen brachte ihn mehrfach an den Rand der Aufgabe – und genau das war der Punkt: er hat ihn nicht aufgegeben.

Als der Wagen endlich TÜV hatte, war er erschöpft, aber auch stolz. Es hatte dreieinhalb Jahre gedauert. Im Rückblick sagt er, der Torino sei gar nicht wegen seiner Optik oder Leistung wichtig gewesen, sondern weil er ihn und seine Freunde „überhaupt erst zusammengebracht“ hat.

Am Ende ließ er Basti mit dem Auto fahren, einfach so – als Dank. Und als der Torino später wegging, war das kein Verlust, sondern fast so etwas wie ein Abschluss: Das Kapitel „Anfänger“ war beendet. Er hatte an dem Auto gelernt, was Schrauben wirklich bedeutet – Geduld, Improvisation, Gemeinschaft, Frust und diese tiefe Zufriedenheit, wenn etwas, das eigentlich aussichtslos war, irgendwann läuft.

Und dann kam „Der Ungeplante“..

Der Satellite war das Gegenteil. Kein Rost, kein Chaos, keine Flexnächte auf dem Parkplatz. Sondern einfach ein Moment – und eine Begegnung, die alles veränderte.

Eigentlich war er gar nicht wegen dieses Wagens unterwegs. Ein Pick-up sollte angesehen werden, nichts weiter. Der Verkäufer meinte beiläufig: „Setz dich doch mal in den da und fahr eine Runde.“
Und dann war’s passiert.

Kaum saß Karim hinter dem Lenkrad des grünen Satellites, spürte er, dass irgendetwas >Klick< machte. Es war nicht der übliche Schrauberblick, der prüft, was alles zu tun ist. Es war ein stilles, tiefes Gefühl von richtig. Fine, die dabei war, sah es sofort – dieses Aufleuchten in seinen Augen – und verliebte sich gleichermaßen.

Der Wagen war, wie er war: original, unverbastelt, ehrlich. Kein Restaurationsprojekt, sondern ein Stück Geschichte, das einfach überlebt hatte. Karim sagt heute, er habe am Satellite „nichts gemacht“ – und genau das ist das Besondere. Der Wagen durfte so bleiben.

Er kam 2016 zu ihm – und blieb. Nicht, weil er perfekt war, sondern weil er vollständig war. Der Satellite wurde für Karim das Gegengewicht. Während der Dart und frühere Autos ihn forderten, war der Satellite der Ruhepol.

Er ist das Auto, in dem er mit seiner Familie fährt, in dem das Kind lacht und er sich entspannen kann. Keine öligen Hände, keine To-do-Liste – nur der Klang des Motors, der Geruch des alten Interieurs und dieses Gefühl von Ankommen.

Manchmal steht der Satellite einfach in der Sonne, grün und gelassen, wie jemand, der nichts mehr beweisen muss.
Und Karim weiß: Er hat schon viele Autos gehabt, viele geliebt, viele wieder gehen lassen – aber der Satellite war der erste, der ihn einfach so genommen hat, wie er ist.


ch halte immer wieder inne. Nicht, weil es zu viel ist. Ich freue mich eigentlich die ganze Zeit so still für mich und merke, dass ich mich mittlerweile unglaublich doll zu diesem Dart hingezogen fühle. Ja, mittlerweile springt das Herz ziemlich hoch, wenn er vor der Werkstatt vorfährt oder jetzt hier, an diesem herrlichen Abend, nach einem total verrückten Tag. Fernab des trubeligen und wuseligen Berlins. Ich merke, wie Karim selber noch einmal in all dem versinkt und dass all diese Worte mich den Satellite anders anblicken lassen, aber auch den Dart, dem ich wirklich so unglaublich dankbar bin. Manche mögen Karim als unvernünftig bezeichnen, solch „eine Bude gekauft zu haben“ und mittlerweile schon weitaus mehr Geld reingesteckt zu haben, als er sicherlich ursprünglich wollte und sicherlich gesellen sich noch weitere hinzu, die kopfschüttelnd meinen, dass das keine sehr vernünftige Geschichte ist.

Für mich ist der einzige infantile (aber doch auch total romantische) Teil dieser mittlerweile absoluten Tatsache, dass es wie ein kleines Märchen ist, was einfach wahr geworden ist. Dieser kleine Junge muss keinem Auto mehr hinterherrennen und dennoch sehe ich diesen Zauber noch immer in seinen Augen, wenn er Kundenwagen bewegt. Wie er über einzelne Autowagen redet, wie er sie umsorgt und wirklich sieht. Er schlendert nicht nur über die Treffen, er wertschätzt sie und genießt sie. Egal wie oft er sie besucht. .. und der Dart. Dart musste sein 😉 Denn er komplettiert, gemeinsam mit dem Satellite, Karims Traum, doch genauso sein gesamtes Wesen. Beide Wagen zusammen sind dieser eine Wagen, den es braucht, aber für einen so besonderen Menschen und Charakter, wie Karim es ist, erfüllt nicht ein einziger Wagen genau das. Denn so vielschichtig, wie er es ist, sind es auch beide Brummer. Und ich denke, dass man von außen betrachtet viele Töne spucken kann, was wie besser, einfacher und billiger gewesen wäre und ist. Doch am Ende, ist auch der vermeintliche Verlust der größte Zugewinn, wie bereits mit dem Torino bewiesen wurde. Denn auch ohne diesen, wären beide Wagen wohl jetzt nicht hier vor uns.


Karim, was soll ich sagen.. Mittlerweile sitze ich grinsend, mit bisschen bewässerten Augen vor meiner Schreibkiste. Nicht einmal mehr daheim in der Werkstatt. Und doch weiß ich, dass ich irgendwie immer dort sitze, egal wo ich bin. Gemeinsam mit euch Lieblings-Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch in punkto Autowagen 😉

Du supportest uns immer – uns alle, wie wir nun um dich herum gereiht mit dir auch unsere „Auto-Wege“ beschreiten. Du bist der, der immer da ist. Und so ruhig und ausgeglichen du bist, so temperamentvoll lässt du aber auch ehrlich die „Berliner Schnauze“ raus, wenn es ums Heiligtum geht. Du bist phänomenal.

Also sagen wir mal so: Wenn es da draußen immer noch Menschen gibt, die behaupten, dass das NUR AUTOS sind, dann sind sie näher an Prestige, als am Lebensgefühl, was diese wundervollen „Metallgeschosse“ mit sich bringen und uns schenken, wenn wir uns darauf einlassen.
Wie sehr sie einen und uns lehren, habe ich durch dich erfahren dürfen und ist eine so wundervolle und liebevolle Bestätigung.

Außerdem bist du auf keinen Fall ausschließlich der Superheld mit dem Reinigungs- oder Polierwerkzeug in der Hand – du weißt ja wie ich es meine – sondern du hast ein Auge, das wirklich so einzigartig und ganzheitlich die Welt der Brummer betrachtet. Dich kann man in keine Schublade hineinstecken. Nicht einmal in die Mopar-Schublade hihi

DANKE!


Café 21 & Meetup – Backstein. Benzin. Begegnung.

…. jenseits der Schubladen


Jeden ersten Sonntag im Monat finden sich in Wildau, am Café 21, seit April diesen Jahres die unterschiedlichsten Autowagen ein. Von Porsche, über BMW, bis hin zum alten V8er Ami-Bulliden. Sie alle kommen hier zusammen und bilden, für Szene-Hirschis doch ein gar seltsames Bild. Ja schon nahezu wie der Wühltisch auf dem Flohmarkt, auf dem sich die alten Holzpuppen neben Tante Gerda’s Porzellan tummeln. Haltet euch Augen und Ohren zu: gefühlt der Trabbi neben dem 911er

Gruselig? Ganz und gar nicht! Denn das Konzept möchte zusammenführen. Weg von ‚jeder kocht sein Süppchen‘. Nein, hier wird Kaffee gekocht und zwischen all den Karossen miteinander zusammengefunden und ausgetauscht. Kein Nase rümpfen, kein Einigeln in der eigenen Sphäre.

Der Dodge Charger ist hier genauso gerne gesehen, wie ein getunter 3er BMW und ich bemerke, wie wenig ich von genau diesen weiß, sodass ich schon schmunzeln musste, als ich die Gespräche deren Liebhaber mitbekomme. Genau dort verlassen wir unseren Tunnel und blicken anders um uns. Ja irgendwie begann ich wieder richtig um mich zu schauen, denn mein Gehirn musste schnell einsehen, dass es eben nicht wusste, wann es trainiert die Kamera zücken musste. Ich schaute länger, anders, machte manchmal auch einfach gar nichts und genoss einfach, dass Auto-Menschen unterschiedlicher Szenen hier miteinander zusammengefunden hatten, einfach nur um einen Kaffee zu trinken und ihr Gefährt zu bewegen. Und das ist der Geist dieses neuen, gar nicht mal soooo kleinen Treffen, welches sich bereits seit 4 Monaten durch diese Saison schlängelt.

Und wer es dann geschafft hat seinen Ami neben einem VW Golf zu parken, der darf inmitten der tollen Schlemmereien des Café 21 versinken….


Der Wert einer funktionstüchtigen Steckdose

(Wie man sich mit Schrauberleidenschaft und einem Burnout-Bügeleisen in ein Festival einfügt..)

„Eigentlich wollten wir ja nur Strom und einen guten Platz.“
Und ein breites Grinsen zieht sich über das ganze Gesicht.

Als die Jungs von Gas Junkies Garage 2022 zum ersten Mal beim Race 61 in Finowfurt auftauchten, war da dieser kindliche Glanz in den Augen. Wie im Spielzeugladen – alles voller V8, Lack, Krach, Leben. Doch zwischen Grilldunst und Chrom fiel schnell auf: viel Show & Shine, wenig echte Schrauberei.

Die Begeisterung kippte kurz in Ernüchterung. Klar, alle ein bisschen verrückt, den Nagel komplett quer im Schädel – aber eben anders. Viele glänzten, wenige schraubten. Doch statt die Bühne zu verlassen, drehten sie einfach lauter auf.

Sie blieben.
Sie wirkten und dann..

..ist da natürlich noch dieser „unscheinbare“ Charger, der zu jedem Race 61 in Finowfurt gefühlt einen Satz Reifen auf dem Betonboden einbrennt. Zum Season Opener 2023 fiel ‚Paule‘ einfach nur dadurch auf, dass er sich ganz unauffällig auf der 1/8-Meile immer weiter nach vorne kämpfte.
Mittlerweile blubbert dieser schon wie ein bunter Hund über den Strip und nicht selten brüllt es aus einem Klappstuhl heraus impulsivst: „BURN OUT!!!!“. Zudem durfte er bereits auf dem Siegertreppchen des dritten und des ersten Platzes stehen.

Fakt ist: die Jungs hinterlassen Spuren.

Mit nicht übermäßig großer Werkstatt, aber dem notwenigen Know How wird V8-Getrieben neues Leben eingehaucht, oder ganze Karren erhalten Fürsorge vom Feinsten. Hier wird nicht nur geburnt, hier wird am „Bunsenbrenner“ auch noch selber geschraubt, damit diese auf eigener Achse von Treffen zu Treffen kommt.

Mit dem Race in diesem Jahr kam das Sahnehäubchen: 

Eigener Stand, ein fettes Statement und noch mehr Spaß. Mit Polposition gegenüber des Partyhangars liesen die Jungs nichts anbrennen. ..oder doch?! Ich bin mir sicher, dass der Gummi noch immer ein wenig dampft, denn ihre Art und Weise aufzufallen unterliegt keinem konstruierten Konzept, sondern purem Spaß an der Sache und absoluter Überzeugung. Und Aufhören, wenn es am schönsten ist..?! Never ever! Lieber nochmal eine Ladung Gummi drüber!
Keine Siebdruckmaschine, kein Plotter.
Einfach: Shirt auf den Asphalt, Burnout drüber.
Fertig ist das Unikat mit Gummiabrieb und Rennplatz-DNA.

Die Steckdose hat funktioniert.
Aber wichtiger war etwas anderes:
Alle hatten Spaß und diesen ganz besonderen Gesichtsausdruck voller Zufriedenheit.. und eigentlich geht es doch jetzt erst richtig los.. 😉

Stehzeuge, abgefahrene Ackerstrecken und ein wenig Herzschmerz

‚Wisst ihr..‘ so beginnen wahre Geschichten. Mit ‚Es war einmal..‘ beginnen nur Märchen, aber wir schreiben Geschichte, also… 

Wisst ihr.. ich mag „Steh-Veranstaltungen“ nicht. 

Lasst es mich von meinen Blickwinkel aus beschreiben, aber bitte ohne dass sich jemand angegriffen fühlt und am Ende heult – bei Nebenwirkungen steigen Sie in Ihren Amiwagen und fahren ganz lange schnell, bis die Tränen wieder getrocknet sind..

Es sind diese Prestige-lastigen Veranstaltungen, auf denen das Chrom alle 60min frisch poliert wird und die Autowagen alle penibel mit Mindestabstand nebeneinander aufgereiht stehen. Dann und wann sitzt eine Tante Ilse in ihrem Klappstuhl neben dem Hobel von Onkel Bertram Wache und blickt den vorbei wackelnden Ladies in ihren 50er, 60er-Jahre Petticoat-Kleidern argwöhnisch hinterher. Und dann sind ja noch diese herrlichen Wettbewerbe… man findest zumeist die gleichen Wagen in der Reihe vor der Bühne, die sich im letzten Jahr schon und in den Jahren davor ebenso, immer wieder neu in altem Antlitz präsentierten – der Pokal goes erneut an Erbsen-Egon mit seinem alten Klapper-Kartoffel-GMC Truck, der doch vor sechs Jahren die Ladefläche so unglaublich schick neu gestaltet hat, mit seinen, mit einem alten Bunsenbrenner bearbeitet, geflammten Bretterleisten. Okay.. Vielleicht war es aber auch ein vertuschter Garagenbrand…

Am Abend danken ein bis zwei Rockabilly Bands dem Tag und vorbei ist es. Das Geblubber bei der Ankunft und Abreise streichelt das V8-Herz behutsam, ansonsten darf man sich bei dem ein oder anderen Dezibel-Kontest kurzzeitig getretene Motoren anhören.. Nichts, ansonsten ist da nichts. Als würde der mit Leberwurst frisch gestopfte Naturdarm in der Metzgertheke ausgelegt werden, fertig zum Verzehr, aber nur mit den Augen schmecken, ja? ..und dann und wann tatscht mal eine Pommes-geölte Hand über den frisch polierten Lack.. Wie eine unnötig noch weiter verzerrte Jammer-Melodie in meinem Gehörgang.

Aber bitte fühlt euch nicht von mir getreten und gepiekert. Liebt und lebt das, wenn es eurem Wohlbefinden entspricht. Bildlich und deutlich übertrieben provokant formuliert beschreibt das allerdings meine Empfindungen am allerbesten. Leben und leben lassen – also bitte bitte genießt das auch weiterhin. Die Szene lebt ja auch davon und nein, nein – es wäre jammerschade, täten all diese Treffen von der Bildfläche verschwinden. Das sind meiiiine persönlichen, richtig schön frech ausgeschmückten Gefühle. Zudem… Wie sonst könnte ich die Besonderheit des folgenden Events hervorheben..

Just another saturday..

Keine Ahnung, was da in mich gefahren ist. Wahrscheinlich hatte ich mal wieder eine von meinen Milliarden leisen Vorahnungen, die meinen Daumen geißelten auf Fratzebuch beherzt auf das zerschlissene Display meiner Handkurbel zu tippen. ‚Interessiert‘. Ist ja ums Eck. Musst ja nicht hin. Kannst ja aber. Einfach mal vormerken, falls du nichts besseres zu tun hast. 

Schon beinahe in Vergessenheit geraten, zuckte diese Veranstaltung wieder auf. But why?!

Die vermeintliche Stehveranstaltung erhielt auf einmal eine vollkommen neue Bedeutung für mich, denn sie bekam einen Dirt Drag. Auf einem Acker. In Gitarrenform. Und Freunde von mir waren involviert. In meiner Welt war es von hier auf jetzt eine bindende Sache. Ohne Wenn und Aber!

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Ja und so geschah es.. Vor mir stand auf einmal dieser deutlich sichtbar übernächtigte Dude mit Cap und Rumpelstilzchen-Bart. Leidenschaftliche Augen, wenn auch müde, strahlten, als er mich begrüßte und mir seine Bewunderung über meine Fotoarbeiten kundtat. Und es war keinesfalls dieses Floskel-Floskel „Du machst tolle Fotos!“, sondern ein tief ernst gemeintes Kompliment, mit einer mitreißenden Wortwahl.

Eigentlich war er zu jeder Zeit überall gleichzeitig und lebte und liebte, was er geschaffen hatte, in diesem Moment, in diesem liebreizenden Park, mit diesem süßen kleinen Schloss.

Warum dort? Ist das nicht ein wenig kitschig und klischeebedient? Ami-Oldtimer-Treffen in einem schicken Park, an einem Schloss – man konnte sich oberflächlich betrachtet ja so ca. ausrechnen, was sich für Publikum dort tummelt oder tummeln könnte, um mal ein bisschen weiter zu sticheln..

Marcel. Ich betitele ihn jetzt mal ganz liebevoll als leidenschaftlichen Gourmetkoch, mit der Liebe zu alten amerikanischen Blech, unglaublich viel Familiensinn und zudem dem Mut, seinen eigenen Traum zu leben. Er führt das Schlossparkhotel Sallgast, neben eben genau diesem schnuckeligen Schloss und seinem einladenden Park. Klingt schon ziemlich traumhaft, oder? Es kostete aber viel und kostete bis dorthin auch nicht einfach nur eine Menge Geld, sondern so vieles mehr.

Als ich darum bat all das hier schreiben zu dürfen und mir meine Infos erhaschte, wurde mir mit jedem weiteren Kontakt mit Marcel bewusst, wie groß sein eigener Orbit doch eigentlich ist und dass ein einfaches „jaja, da gehört schon einiges mehr dazu“, gar nicht ausreicht. 

80er Widder entdeckt in den 90ern seine Welt..

Der 10-jährige ‚Pauli‘ fuhr nach der Schule liebend gerne nach Fiwa, wie man in dieser Gegend zur Ortschaft Finsterwalde so sagt, und kehrte dort beim Fahrzeughandel Dobritz ein. Das klingt schon beinahe nach einen Vorspann eines Ami-Filmklassikers. Aber genau so war es auch.

Er schaute den Mitarbeitern über die Schulter und erfreute sich am Anblick der sich dort befindlichen Autowagen. Ich bin mir sicher, ihr habt auch gerade diese Szene vor euch. Am besten noch mit so krisseligen Bild und der leiernden, mit leisem Knacken untersetzt, eingespielten Musik einer alten Schallplatte. Ich bin mir nicht sicher, ob er auch mit so einem klingelnden, klappernden kleinen Fahrrad unterwegs war, aber es macht den inneren Film doch sehr perfekt.

Im Büro stand am Fenster ein schwarzer Kenworth US Show Truck, den er sehr bewundert haben muss, denn diesen hat mittlerweile sogar sein eigener Sohn geschenkt bekommen. Der Kontakt zum Fahrzeughandel Dobritz brach auch nie ab. Im Gegenteil. Marcel erwarb auch das ein oder andere Auto von ihm.

Aber seine „erste große Liebe“, die kaufte er 2006 in Florida von einer 80-jährigen Oma. Und irgendwie nahm dann alles so richtig Fahrt auf..

Ein Mann mit Geschmack und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins..

Koste das Leben aus – diesen Spruch hat sich Marcel schon frühzeitig wortwörtlich zu Herzen genommen. Er wuchs quasi in den Generationsbetrieb seines Vaters hinein, einem Restaurant mit Hotel, und lies sich ab 2015, nach einigen Jahren als Koch in verschiedenen Wirkungsstätten, dann auch gänzlich in diesem nieder. Allerdings mit dem unschönen Hintergrund der schweren Erkrankung seines Vaters. 24/7 bekommt eine vollkommen neue Bedeutung, wenn man im eigenen Betrieb arbeitet, im Hintergrund aber mindestens genauso viel für die Familie da ist, die sich dann um 2017 durch seine wundervolle zukünftige Frau Anja erweiterte, welche 2019 voll in den Betrieb mit einstieg. Und immer der Schatten der Erkrankung seines Vaters im Hintergrund, weswegen Marcel und Anja dann 2020 ihre geplante Hochzeit verschoben. Sein Vater schlief für immer ein…..

Die Schicksalsschläge und mühseligen Wege, um das Leben genießen zu können, nahmen nicht ab, wurden nicht weniger. Man kann sagen, bis das ‚Cars & Guitars‘ überhaupt ein Fünkchen Sternenstaub hinter Marcels inneren Augen werden durfte, passierte noch viel. Es tat weh, sehr. Und das wieder und wieder. Doch wie es dann so ist, zaubern die dunklen Täler dieses Lebens auch immer besondere Begegnungen hervor und provozieren das lauter Werden eigener Träume. 

Marcel lernte in den letzten Jahren treue Weggefährten kennen, neue wertvolle Freunde und ein radikales Umdenken, im weiteren Sinne.

„Es gibt nichts Schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen.“, sagte ein Freund zu ihm. Ich las das Strahlen aus seinen Worten heraus, als er schrieb „..und ich kann es nur bestätigen! Es ist ein unvergessliches Wochenende für mich bzw. uns alle gewesen.“. 

Eisgekühlter Bommerlunder und belegte Brote..

..waren definitiv nicht die Gründe für ausgesprochene Gedanken. Ihr könnt euch ja sicherlich denken, wenn man ein Restaurant mit Hotel und zudem ein erfülltes Familienleben führt, bleibt da nicht mehr viel Zeit für anderes. Auf jedes x-beliebige Treffen fahren ist dann nicht möglich. Aber dann und wann in die Garage setzen.. dann ein wenig Jake la Botz auf die Ohren und Goldi Cola und auf einmal: „Wenn man nicht auf die Treffen fahren kann, ja dann macht man halt sein eigenes..“ – Garagengeschichten. Es gibt unzählige, doch diese eine, die bewahrheitete sich dann im letzten Jahr, 2024, im Juni..


Marcel hat mit seinem ‚Cars & Guitars‘ wirklich Dreck gefressen. Das brauchen wir nicht beschönigen. Die Massen blieben aus und im Nachgang reichte Wegatmen bei weitem nicht aus.
Wir befanden uns zwischen Sonnenschein und immer wiederkehrenden Regengüssen. Während ich mich mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht zusammensetzte, prasselte auf Marcel nicht nur der Wolkeninhalt der vielen Schauer ein, sondern auch die Realität – das hier würde sich niemals rechnen.

Und er hatte an wirklich alles gedacht. Trotz der traurigen Wahrheit strahlte er und genoss Tag und Abend mit den Besuchern und seiner Familie und auf mich wirkte er wie ein glücklicher Junge. Ja, wie dieser 10-jährige Pauli, der den Kenworth Truck bestaunte, als ich ihn da vor der Bühne stehen sah. Seine geliebte Anja im Arm und wogen sich zu der Musik der Band. Und wisst ihr.. man kann Wärme in den Augen eines Menschen mit zahlreichen Worten beschreiben und somit irgendwie wiedergeben, aber wenn man sie selber sieht, und das trotz all dieser Widrigkeiten, dann begreift man, was für einem wertvollen Menschen man hier begegnet ist.

Touch by touch, step by step

Wir blieben natürlich und sind noch immer in Kontakt. Und ihr glaubt gar nicht bzw. könnt gar nicht vorstellen, wie oft während der Entstehung und Bearbeitung dieses einzigen Textes sich bereits alles stetig so heftig veränderte, dass man hätte meinen müssen dieses gesamte Werk neu erfinden zu wollen.

Auf seiner Seite schlich die permanente Veränderung, genauso wie ich immer wieder in Begriff war das Rad neu erfinden zu müssen. Euphorie und Stillstand wechselten auf beiden Seiten wieder und wieder ihren Platz ab, als wäre meines mit Marcels absolut eng gekoppelt.

Er gibt nicht auf und er erlebt noch immer diese dunklen Tiefs des Lebens, die so sehr auslaugen, dass kaum noch Kraftreserven da sind, um wirken zu können.

Doch lieber Marcel, genau das ist Dein Wirken, welches in mir das Bedürfnis weckte, Dich dieser Welt da draußen zu zeigen. Immer wieder hart an der Grenze und dennoch senkst Du den Kopf nicht, wo andere ihren unlängst in den Sand gesteckt hätten. Du machst weiter. Immer weiter. In Deinem Tempo, immer mit diesem Traum im Hinterkopf. Für mich hast Du diesen Schimmer in den Augen, der einen liebenden Menschen ausmacht, der seine Träume in die Tat umsetzt und es stets ernst meint und nicht nur taumelnd durch das Leben läuft. Danke!

Und ihr da draußen? Du? Genau Du! Schau Dir an, was uns das letzte Jahr gezaubert wurde – der Beginn, die Geburt einer unglaublich tollen Veranstaltung, die in diesem Jahr unter neuem Namen, mit so viel Inhalt (vor allen Dingen Herz, Echtheit, Mut) begeistern wird.
Genieß die folgende Galerie, komm im Juni, nach Sallgast und sei da – ganz da. 🙂

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