Einmal in seiner extravagant gemütlichen breiten Bank versunken, versteht man, warum dieser alte Fury mich immer wieder zum Verweilen einlädt.
„King Loui“ fungiert in diesem Moment als meine persönliche Muse. Mit Blick auf sein altes Radio höre ich sofort die abendlichen Klänge aus dem Hangar. Sein mittlerweile schon mit Flugrost gekleidetes Bremspedal erweckt die Szenerie auf der Rennstrecke vor dem inneren Auge und all die kleinen Details eines Wochenendes in Finowfurt springen um mich herum, als würden sie just in diesem Augenblick lebendig.
Und so sitze ich hier, zwischen gestern und heute.
Mit einer Sammlung eigener Erinnerungen und euren Worten, euren Bildern und euren Gefühlen.
Wenn ich mich daran zurückerinnere, als ich das erste Mal auf den Platz des Luftfahrtmuseums kam, dann darf ich behaupten, dass es absolute Reizüberflutung war. Aber die Reizüberflutung eines kleinen Kindes in einem Spielzeugladen oder Süßigkeitengeschäft. Eigentlich alles haben wollen, überall gleichzeitig mit den Augen unterwegs sein und dabei so gar keine richtige Ahnung haben, wo zuerst mit der Kamera draufhalten.
Und ja, die ersten Alben sind wirklich sehr rar bestückt, weil ich oftmals nur irgendwo saß und staunte und alles absolut tief auf mich wirken ließ. Ich streifte in den Abendstunden kaum umher und saß wie hypnotisiert einfach nur in einem Klappstuhl und sah den kreisenden, cruisenden Brummern hinterher, die über den gesamten Platz zirkelten.
Weder kannte ich Namen, Hintergründe, hatte keine Ahnung, wer dort wie in irgendeiner Form für was auch immer verantwortlich war, und staunte regelrecht in das gesamte Wochenende hinein.
Tatsächlich bin ich gar nicht mehr sicher, wie der Vorabend dieses einen besonderen Morgens war. Ich erinnere mich wirklich nur noch an diesen bestimmten Morgen. Im Juni 2021. Ein Morgen, der so prägend war…
Es war noch total still und eine angenehme nasskalte Luft ummantelte alles. Tautropfen überzogen die Blubberinos und Farben aus einer Zuckerwatte-Welt hatten den Himmel sehr theatralisch bemalt. Ich war eigentlich noch gar nicht richtig munter, da schnappte ich mir, noch in Schlafklamotte, meine Kamera und faltete mich aus meinem Bett.
Eigentlich ist es unmöglich euch diese Atmosphäre mit Worten in Gänze näher zu bringen, denn ich kann nur empfehlen selber einmal vor 5 Uhr über den Platz zu spazieren und euch überall mal hinzusetzen und zu betrachten und zu lauschen. Ja, diesem melodischen, zufriedenen Schnarchen, mit 1,8 Restalkohol im Turm. Das hat diesen unvergleichbaren Klang… Der eine hat es aufs Zelt geschafft, der andere erreichte wiederum immerhin die Ladefläche seines Pick Ups. Die Körperhaltung verrät, dass kurzzeitig noch der Gedanke aufplöppte „Ach.. ein Betthupferl, ein Absackerbier geht noch..“, bevor Dornröschen tief und fest einschlief.
Die Zelt- und Fahrerlager wirken manchmal wie Malle, wild übersäht mit verschiedenen Flaschen und Essenresten oder wie der Traum von 80iger-Jahre Brandenburg Familienurlaub an der Mecklenburger Seenplatte: Die Markise wurde noch eingefahren und ich würde es glauben, wenn nochmal vorm Wohnwagen geharkt wurde und der Blubberino fein abgedeckt über Nacht – wer weiß, wer hier entlang wankt und wieviel Feuchtigkeit in der Nacht entsteht.
Zucker! Ich empfinde sowohl das eine, als auch das andere als Zucker.
Ja und dazwischen bin ich. Seit Jahren schon versteckt im Grünen mit meiner modernen Flocke, die mir als gemütliches Heim für diese Wochenenden dient. Und vollende das Bild der Vielfalt. An diesem Morgen ist es greifbar.
Ein absolutes Stillleben. Ich treffe nur zwei weitere muntere Menschenseelen an diesem Morgen, die aber weniger agil über den Platz steuern.
In mir tut sich das Gefühl auf, dass im Gegensatz zur menschlichen Fraktion, die V8-Karossen schon klar dreinblicken und sie genau wissen, was der Tag mit sich bringt. Als erzählten sie in genau dieser magischen Stille ihre Geschichte und luden ein. „Setz dich, lausche – meine Geschichte klingt so….“
An der Rennstrecke nicht anders. Leichte Nebelfetzen hängen an diesem Morgen noch im angrenzenden Solarfeld und auch zwischen den Zelten und vielen Autowagen macht sich ein bizarres Sumpfbild breit. Dort, wo sonst viele Menschen stehen und den Rennfahrern applaudieren, sitzt ein Junge. Er blickt auf die Strecke. Wirkt noch verschlafen und doch schon so sehr mit diesem Ort verbunden. Man sieht ihm an, was in ihm vor sich geht. Dieser Zauber hier hat uns alle, auch wenn wir noch schlafen…..
Ich war die ersten Jahre quasi Begleitung. Zum Opener zum Beispiel fuhr man fürs Rennen hin und zack, wieder weg. Als würde man schnell testen fahren. Bei dem großen Event war es dann ein klein wenig anders. Ich hatte dennoch das Gefühl noch nicht alles in Gänze zu erfassen. Ich war damals einfach mit komplett anderen Leuten dort, die das alles gar nicht so zelebrierten, wie ich es mittlerweile tue. Ich bekam weniger vom Race an sich mit – und damit meine ich nicht das Event, sondern viel mehr von den Leuten, die damit in Zusammenhang stehen. Ich war quasi einfach Gast, der ab und an eine Kamera zückte und die meiste Zeit in netter Runde zusammensaß..
Bis Corona kam.
Das änderte so ziemlich alles.. Erst fiel das Race natürlich, wie alle Veranstaltungen aus. Bis es dann 2021 (bloß gut!!!) eine sehr abgespeckte Variante gab und 2021 im September dann, verhältnismäßig spät im Jahr, das eigentliche Event wieder Fahrt aufnahm. Ich war zu dem Zeitpunkt als Pressemitglied ins Event irgendwie „neu eingestiegen“, stand mittlerweile mit vielen Menschen zusammen, die ich im Laufe der Jahre dort kennengelernt hatte und ich erinnere mich noch an diesen einen besonderen Moment an diesem Abend, als es in der Runde hieß: „.. kann mich nicht erinnern, dass wir beim Race abends mal dickere Jacken tragen mussten..“ und lachten. Wir waren so froh, dass wir endlich wieder beisammen sein konnten und dieses Event, welches viele bewegt weiterhin Bestand hatte.
2022 nahm es dann wieder Fahrt auf. Als wäre nichts gewesen und doch irgendwie anders. Ich war mittlerweile nun scheinbar ein festes Team des Medienteams, obwohl ich zugegebener Maßen noch immer zittere, dass meine Akkreditierung klappt und ich in jedem Bereich die Kamera schweifen lassen kann. Denn mir geht es wie vielen anderen auch: Für mich ist es ein festes Highlight im Jahr geworden und ist mit Abstand wohl auch der erste Termin, der im Jahresplan dingfest gemacht wird.
Doch ich merke eine Veränderung. Ich hörte, besonders nach Corona, viel ‚Motzis‘, die sich komplett negativ über die Veranstaltung äußerten. Euer gute Recht! Und ich habe mir stets alle Seiten angehört und habe selber erlebt und gesehen und gespürt. Das führte mich nun letztendendes dazu, dass ich euch in Gänze mal „an die Hand nehmen“ und erinnern wollte, worum es beim Race 61 denn eigentlich geht, was mittlerweile schon so viele Jahre Bestand in unserer V8-Motorenwelt hat.
Ich habe einige von euch angeschrieben. Einige haben mir aber auch gar nicht geantwortet, aus welchen Gründen auch immer. Ich spürte, dass ich es zwar schade fand, weil an dieser Stelle etwas mitschwang, was ich seit zwei Jahren auch selber spüre, aber ich respektiere es und wende mich lieber dem zu, was ich rückgesandt bekommen habe und nun Monate später, nach Saisonende, möchte ich in die kalte frische Luft, die Wärme des Sommers holen und euch schon ein wenig Vorfreude schenken dürfen. Ich selber würde mir sehr wünschen, dass ein Race 61 wieder bunter werden darf und weniger Marke – dass wir miteinander etwas Schönes erhalten dürfen, welches seinesgleichen sucht. Alles obliegt der Veränderung und es wäre töricht zu behaupten, dass das hier nicht so sei. Das Race verändert sich gefühlt von Jahr zu Jahr und ich weiß aus sicherer Quelle, dass dort unmenschlich viel Arbeit und unzählige Hände drinstecken, damit wir im Mai das erste mal wieder alle zusammenfinden können. Viele Hände, viel Veränderung. Jeder bringt seine Geschichte, seine Wünsche, seine Vorstellungen und seinen Stil mit ein. Wir sind mittlerweile wirklich viele. Und damit meine ich UNS ALLE gleichermaßen. Und wir alle wirken mit ein. Vergessen wir doch nicht, dass es genau das ist, was dieses Event so grandios und besonders macht und stellen wir uns selber mal ein klein wenig mehr zurück und schauen mal aus anderen Blickwinkeln und mit anderen Augen, wenn wir auf den Platz kommen. Kritik, okay. Jeder kann ja selber Hand anlegen. Jeder kann äußern, was ihm missfällt. Doch der V8-Ton macht die Musik – never forget 😉
Und ihr habt mir in einem zauberhaften Ton mitgeteilt, worum es euch beim Race geht.
Ihr habt mir erzählt, dass es für euch das Größte ist, hier als Fahrer an den Start zu gehen. Dass man ein ganzes Jahr darauf hinfiebert, um für wenige Minuten alles zu sein. Die Show. Der Moment. Der eigene Herzschlag im Takt des Motors. Und dass danach dieses Loch kommt, wenn das Adrenalin abfällt. Nicht, weil etwas fehlt – sondern weil man will, dass es nie endet. Und gleichzeitig diese tiefe Beruhigung, dass alles gut gegangen ist. Weil hier jeder weiß, dass es auch anders ausgehen kann. Kein Lob wartet. Kein Geld. Nur die Stille nach den Motorengeräuschen. Und genau die gehört dazu.
Ihr habt mir geschrieben, dass das Race für euch das Entkommen ist. Das Abhauen in eine andere Welt. Dass all die Probleme des Alltags dort keine Rolle spielen. Dass sie draußen bleiben. Vor dem Zaun. Weit weg. Und dass genau das diesen Ort so wertvoll macht.
Viele von euch haben gesagt, dass sie es gar nicht richtig in Worte fassen können. Dass Race 61 für sie wie Zuhause ankommen ist. Ein Zuhause ohne Blutlinie. Mit Freunden, die man sich ausgesucht hat. Mit Menschen, mit denen man über viele Jahre so viel Schönes erlebt hat. Anfangs wenige, heute viele. Alte gehen, neue kommen. Der Spirit bleibt.
Ihr habt gelacht und von Dachschäden gesprochen. Vom gleichen rostigen Nägeln im Kopf. Von Freunden, Spaß und diesem Gefühl, endlich unter „normalen Leuten“ zu sein. Von einem fast vergessenen Lebensgefühl, das hier wieder spürbar wird. Mit unvergleichlichem Sound, mit einem Geruch, den man nicht erklären kann, und mit Eindrücken, die sich tief einbrennen.
Ihr habt mir erzählt, dass es für euch das Highlight des Jahres ist. Dass schon die Anreise mit den Amis eine kleine Zeitreise ist. Dass euch die Vielfalt der Fahrzeuge begeistert – von original bis Rennwagen. Dass die Mischung aus Rennen, Musik, Händlermeile und Rock’n’Roll für euch einzigartig ist. Dass ihr nichts Vergleichbares kennt.
Manche von euch haben gesagt, dass es Pflicht ist. Dass es der einzige Urlaub im Jahr ist. Dass da nichts verschoben wird. Keine Hochzeit, kein Geburtstag, nichts. Weil das Race fest im Leben verankert ist.
Auch die, die hier Jahr für Jahr mitarbeiten, haben mir geschrieben. Von Herzblut. Von vollem Einsatz. Davon, dass es nichts Vergleichbares gibt. Dass man jedes Jahr wiederkommt, um das Gute zu bewahren, das Gelungene nicht zu verlieren und trotzdem immer weiter nach dem Besten zu streben.
Die Startergirls haben vom Dröhnen der Motoren erzählt. Vom Mitfiebern. Vom Anfeuern. Von dieser besonderen Rolle. Und davon, dass sie sich jedes Jahr aufs Neue darauf freuen. Schon Monate vorher.
Und ja – es gab auch kritische Stimmen. Über Preise. Über Veränderungen. Über Dinge, die nicht optimal laufen. Und selbst dort klang immer wieder durch, dass es trotzdem eine coole Veranstaltung ist. Dass die Menschen es sind, die das Race zu dem machen, was es ist. Und dass man wiederkommt.
Vielleicht ist genau das der Kern.
Dass das Race 61 nicht perfekt ist.
Dass es sich verändert.
Dass es Ecken und Kanten hat.
So wie WIR.
Es ist kein fertiges Produkt. Kein Hochglanzkonzept, denn es ist lebendig. Getragen von vielen Händen, vielen Geschichten, vielen Vorstellungen, vielen Herzen und Stilen. Und genau dadurch ja auch so besonders.
Vielleicht dürfen wir uns genau deshalb manchmal selbst ein wenig zurücknehmen. Uns erinnern. Mit anderen Augen schauen. Andere Blickwinkel zulassen. Kritik äußern – ja. Aber auch sehen, was hier Jahr für Jahr entsteht.
Denn am Ende sind wir es alle….
Die Fahrer.
Die Crew.
Die Startergirls.
Die Besucher.
Die Stille am Morgen.
Das Laut in der Nacht.
WIR sind das Race.
Und das Race sind wir.
Und irgendwo zwischen dem ersten Tau am Morgen, dem letzten Motorengeräusch am Abend und diesem ganz besonderen Gefühl, das man nicht erklären muss, wissen wir alle, warum wir wiederkommen.
Der V8-Ton macht die Musik.
Never forget.

















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